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letzte aktualisierung:
4. juli 2010


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© steintafel 2010

cd-rezension

cd:
günter gall

chanson vom montag
lieder, lyrik und prosa von mascha kaléko

cd:
günter gall

durch alle himmel alle gossen
fredmans episteln und lieder

günter gall: chanson vom montag

günter gall: durch alle himmel alle gossen

in der auswahl seiner musikalischen partner hatte der osnabrücker sänger und liedermacher günter gall schon immer ein gutes händchen, sei es für sein plattdeutsches repertoire oder die diversen liedprojekte. für seine jüngsten (hochdeutschen) literaturprogramme hat er wiederum exzellente musiker verpflichten können, diesmal zwei klassische gitarristen. ingo schneider aus osnabrück unterstützt den sänger bei seinem mascha-kaléko-programm, der sibirier konstantin vassiliev greift für die bellman-lieder in die saiten.

die texte der aus chrzanów im heutigen polen stammenden jüdischen lyrikerin kaléko waren seit geraumer zeit immer wieder bestandteil des gall-repertoires. nun hat er endlich eine komplette cd mit vertonten oder rezitierten kaléko-gedichten zusammengestellt, einen unter die haut gehenden, emotional dichten überblick ihres schaffens. ingo schneider liefert dazu unaufdringliche, aber virtuose gitarrensätze, die die stimmung der texte geschmackvoll und passend untermalen - von melancholisch traurig bis fröhlich beschwingt.

schon hemdsärmeliger kommt das bellman-programm daher, in dem es textlich und musikalisch deftig zur sache geht. dabei fällt (wie auch beim kaléko-projekt) galls ausgezeichnete gesangstechnik auf, die er im laufe der jahre immer mehr verfeinert hat. es ist dem sänger hoch anzurechnen, dass er in seiner interpretation der lieder und episteln des schwedischen sängerdichters nicht die von interpreten wie hannes wader oder bärengässlin sattsam bekannten textfassungen von zuckmayer, klabund oder artmann und korth verwendet, sondern die eher unbekannten übertragungen gewählt hat. in der hauptsache stammen diese aus der feder von fritz grasshoff, dem zu unrecht in vergessenheit geratenen dichter der 'halunkenpostille'. die meist sparsam instrumentierten lieder erhalten durch die fulminanten klassikgitarrensätze einen besonders authentischen 'geschmack' und durch galls zupackenden gesang vermitteln sie den eindruck: ja, so mag's geklungen haben, weiland im krug 'zum luchsen'.

beide cds sind freunden des literarischen liedes uneingeschränkt zu empfehlen.

ulrich joosten

quelle: folker 2/2004